Louis Haeusser

1881      Bönnigheim

1927      Berlin

Artikel

Harry Wilde: Der falsche Prophet Louis Haeusser

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Louis Haeusser

Lud­wig Chris­tian Haeus­ser, auch Louis Haeus­ser, wurde am 6. Novem­ber 1881 in Bön­nig­heim gebo­ren. Nach Jah­ren stren­ger Erzie­hung ver­ließ er 1899 gegen den Wil­len sei­ner Eltern Deutsch­land gen Eng­land, bevor er sich kurz nach der Jahr­hun­dert­wende in Paris als selbst­stän­di­ger Unter­neh­mer nie­der­ließ.

Durch diverse dubiose Geschäfte erwarb Haeus­ser dort zunächst ein beträcht­li­ches Ver­mö­gen, geriet auf­grund sei­ner Umtriebe jedoch auch erst­mals ins Visier der Poli­zei. Nach­dem er 1913 zusam­men mit sei­ner Frau in die Schweiz über­ge­sie­delt war, betä­tigte Haeus­ser sich dort als Buch­ma­cher für ille­gale Wet­ten. Durch den Aus­bruch des Ers­ten Welt­krie­ges änderte sich Haeus­sers Leben bald jedoch schlag­ar­tig. Sein in Frank­reich befind­li­ches Ver­mö­gen wurde als aus­län­di­sches Ver­mö­gen beschlag­nahmt, 1918 gab er seine Geschäfte in der Folge ganz auf und wurde statt­des­sen zum anti­deut­schen Kriegs­geg­ner.

Haeus­ser, der bereits in jun­gen Jah­ren einer Art nai­ver Gottlgäu­big­keit anhing, ver­spürt unter den Ein­drü­cken des Krie­ges ein ver­stärk­tes reli­giö­ses Sen­dungs­be­wusst­sein. Nach­dem er seine Famile Mitte 1918 ver­las­sen hatte, ver­suchte er erst­mals seine Bot­schaft durch öffen­li­che Vor­träge zu ver­brei­ten. Eine breite öffent­lichte Wahr­neh­mung blieb dabei jedoch zunächst aus, wor­auf­hin Haeus­ser bald begann sein äuße­res Erschei­nungs­bild zu ver­än­dern. In Folge wei­te­rer Vor­träge Anfang 1919 wird der inzwi­schen in Mönchs­kutte, mit lan­gem Haar und Bart auf­tre­tende Pre­di­ger in Zürich ver­haf­tet und nach Deutsch­land abge­scho­ben.

Bald pre­digte er, der er sich inzwi­schen selbst als reli­giö­ser Füh­rer betrach­tete, in ganz Deutsch­land seine Mischung aus urchrist­li­chen Gedan­ken, Tao­is­mus, Nietz­sche und Max Stir­ner. Sogar am Wei­ma­rer Bau­haus hielt er auf per­sön­li­che Ein­la­dung von Max Gro­pius hin eine sei­ner Ver­an­stal­tun­gen ab. Trotz des­sen große Teile der deut­schen Öffent­lich­keit ihn als Schwind­ler wahr­nah­men, konnte Hau­es­ser bald eine rasant wach­sende Menge an Anhän­gern um sich scha­ren. Diese orga­ni­sier­ten für ihn Auf­tritte, ver­trie­ben seine Pam­phlete und sam­mel­ten Spen­den. Frauen, die sich ihm zuge­neigt fühl­ten, nutzte er oft auch sexu­ell aus.

Unge­fähr 1922 begann Haeus­ser sich des Wei­te­ren als poli­ti­sche Instanz zu ver­ste­hen. Inzwi­schen wie­der in bür­ger­li­chem Gewand grün­dete er im Novem­ber 1922 zusam­men mit Graf Adolf von Both­mer die Christ­lich-radi­kale Volks­par­tei. Diese fun­gierte als Sam­mel­be­cken für die Anhän­ger aller ›Infla­ti­ons­hei­li­gen‹ wie Haeus­ser sowie Repu­blik­feinde von links und rechts. Sein in aller Radi­ka­li­tät offen kom­mu­ni­zier­tes Ziel war dabei die voll­stän­dige Ver­nich­tung der alten Ord­nung. Zu die­sem Zweck suchte er auch Kon­takt zu bekann­ten Extre­mis­ten und publi­zierte eben­falls ab 1922 die nach ihm benannte Zeit­schrift »Haeus­ser«.

Von Beginn sei­ner Akti­vi­tä­ten an wurde Haeus­ser mit Rede­ver­bo­ten, Aus­wei­sun­gen sowie Auf­ent­hal­ten in Ner­ven­kli­ni­ken oder Gefäng­nis­sen belegt. Mehr­fa­che Unter­su­chun­gen sei­nes Geis­tes­zu­stands dia­gnos­ti­zier­ten ihm dabei eine Hypo­ma­nie sowie ihn als Psy­cho­pa­then. Im Januar 1923 schließ­lich wurde er erneut fest­ge­nom­men und zu einem Jahr und neun Mona­ten Gefäng­nis sowie einer Geld­strafe von einer Mil­lion Mark ver­ur­teilt. In der Haft erfuhr er schwere Depres­sio­nen und Selbst­zwei­fel, löste 1924 seine Par­tei auf und schei­terte auch mit wei­te­ren poli­ti­schen Plä­nen. Nach­dem er 1925 schwer­krank ent­las­sen wurde, war Haeus­ser finan­zi­ell wie auch gesund­heit­lich schwer gezeich­net und ver­starb schließ­lich am 9. Juni 1927 im Städ­ti­schen Kran­ken­haus Neu­kölln in Ber­lin. Inzwi­schen waren ihm nur noch wenige, treue Anhän­ger ver­blie­ben.

 

 

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