Lily Braun

1865      Halberstadt

1916      Berlin

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Lily Braun

Autor

Charlotte Krause

Lily Braun, geb. Amalie von Kretschmann (* 2. 7. 1865 in Halber­stadt; † 9. 8. 1916 in Berlin) – Schriftstellerin, Sozialdemokratin und Frauenrechtlerin.

Bekannt wurde Lily Braun durch ihre Autobiographie Memoiren einer Sozialistin, in denen sie unter anderem die Vereinbarkeit von Mutterdasein und Berufstätigkeit postuliert. Zeitlebens war sie eine Frau, die ihr Engegament vor allem in den Dienst der Frauenemanzipation stellte.

Ihre Kindheit war geprägt von Disziplin, Gottesfurcht, Königstreue und Strenge. Ihr Vater, Hans von Kretschmann, war preußischer Offizier – daher gehörte in den adeligen Kreisen Preußens diese Art der Erziehung zum guten Ton. Die Familie zog aufgrund der Offizierslaufbahn des Vaters viel um. Lily litt besonders unter den strengen mütterlichen Anweisungen, die eher hemmend als bildend wirkten. Die wichtigsten Grundsätze als Frau waren hübsch auszusehen, den Männern zu gefallen und möglichst positive Aufmerksamkeit zu erregen. Dennoch waren sowohl ihre Eltern als auch ihre Großmutter Jenny von Gustedt wichtige Bezugspersonen in ihrem Leben. Vor allem die Großmutter bestärkte Lily zeitlebens, nicht nur als Hausfrau und -mütterchen ihr Dasein zu fristen.

Sich gegen diese engstirnigen Konditionen wehrend, eckte Lily Braun als Heranwachsende oftmals mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern an – vor allem, da sie stets bedacht war, als Klassenbeste abzuschneiden und mit ihrer Intelligenz statt mit ihrem Aussehen zu bestehen. Einer adeligen Familie angehörend, genoss Lily Braun eine entsprechende Ausbildung, die ihr in Privatschulen sowie von Privatlehrern vermittelt wurde.

Schon früh, noch vor ihrer Konfirmation, äußerte sie Kritik an der naiven Interpretation der Bibel und allgemein an der religiösen Gesinnung ihrer Familie. Die protestantische Kirche ödete sie zusehens an. Zudem wuchs ihr Unmut, was das Thema der sozialen Ungerechtigkeit betraf. Ihr Engagement als Frauenrechtlerin begann ebenfalls bereits in Jugendjahren. All diese Dinge kritisierend, genoss sie dennoch bis zu ihrem 25. Lebensjahr die Vorzüge der reichen Oberschicht.

1889 fiel Lily Brauns Vater in Ungnade beim Kaiser und sie musste sich fernab von der Adelsgesellschaft eine eigene Existenz aufbauen. Sie heiratete 1893 den Philosophieprofessor Georg von Gizycki, der den Sozialdemokraten nahestand, wodurch Lily sich zunehmend mit den Fragen der Frauenbewegung und dem Sozialismus beschäftigte. Sie begann für die Zeitschrift Frauenbewegung zu arbeiten und wurde Vorstandsmitglied von Frauenwohl. Nach dem Tode ihres Mannes 1895 bekannte sie sich offen als Sozialdemokratin. Ihren einzigen Sohn, Otto Braun, bekam sie mit ihrem neuen Ehemann, den sozialdemokratischen Politiker und Publizisten Heinrich Mann, den sie 1896 geheiratet hatte.

Als eine der Führerinnen der deutschen Frauenbewegung trat sie schon früh der SPD bei – ihre Hauptaufgabe bestand darin, zwischen der bürgerlichen und der proletarischen Frauenbewegung zu vermitteln, wurde dafür aber von beiden Seiten scharf kritisiert. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Heinricht brachte sie eine Zeit lang die Zeitschrift Neue Gesellschaft heraus. Die Zeitschrift stellte sich jedoch als Misserfolg heraus und Lily widmete sich wieder hauptsächlich ihrer schriftstellerischen Tätigkeit.

Lily Brauns 1901 erschienene Studie Die Frauenfrage wurde von Clara Zetkin und bürgerlichen Frauen waren ihre Ideen zu radikal. Sie kritiserte die Unzulänglichkeit des Sozialversicherungswesens, das ganze Bereiche ausschloss, die als Frauenarbeit angesehen wurden (z.B. der häusliche Dienst, die Heimarbeit und die Landarbeit). Der Erfolg ihrer Arbeit zeigte sich darin, dass sie zu den Gründungsmitgliedern des maßgeblich von Helene Stöcker initiierten Bundes für Mutterschutz zählte.

Lily Braun unterstützte die Kriegspolitik des Kaiserreiches – auch noch nach Kriegsausbruch. 1909 bis 1911 verfasste sie ihre Memoiren.

Sie starb in 1916 in Kleinmachnow in Folge eines Schlaganfalls. Ihr Sohn, der Lyriker Otto Braun, fiel im April 1918.

 

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