Reinhardsbrunn
[Gemeinde]

Lokation

Reinhardsbrunn 5
99894 Friedrichsroda

50.867838, 10.556878

Personen

Martin Luther

Ernst II. von Sachsen-Coburg-Gotha

Theodor Fontane

Weiterführende Informationen

Reinhardsbrunn

Autor

Detlef Ignasiak

Detlef Ignasiak, Das literarische Thüringen, Bucha 2014

Das Rein­hards­brun­ner Tal ist ohn­strei­tig eines der schöns­ten Stü­cken
Erde, ein süßes Idyll, ein klei­nes Para­dies. Aber das Feen­schloss, das der
regie­rende Her­zog von Coburg-Gotha dort­hin gebaut, die Anla­gen, die er
geschaf­fen hat, haben dem Tale erst seine wahre Voll­endung gege­ben.

 Theo­dor Fon­tane, 1873

Lud­wig der Sprin­ger grün­dete 1085 in Fried­rich­roda ein Bene­dik­ti­ner­klos­ter. 1097 wurde die Kir­che, der erste Bau der Hir­sauer Reform in Thü­rin­gen, geweiht. Lud­wig Bech­stein erzählt in sei­nen Sagen, wie der Graf den Papst um Abso­lu­tion für seine Sün­den bit­tet und ihm diese erst nach dem Ver­spre­chen einer Klos­ter­stif­tung gewährt wurde. 1123 starb Lud­wig der Sprin­ger hier und fand im Klos­ter seine letzte Ruhe. Land­graf Bal­tha­sar ließ ab 1350–1360 Grab­plat­ten, die soge­nann­ten »Land­gra­fen­steine« auf­stel­len, die sich seit 1952 in der Eisen­acher Geor­gen­kir­che befin­den.

Als bedeu­tende Schreib­stätte, die Land­graf Her­mann I. för­derte, ent­stan­den 1210–1213 im Klos­ter die von ihm beauf­trag­ten Land­gra­fen­ps­al­ter. Ein aus 102 latei­ni­schen Brie­fen bestehen­des Lehr­buch der Brief­schreib­kunst, die »Collec­tio Rein­heres­brun­nen­sis« ent­stand um 1150 und ist das älteste lite­ra­ri­sche Zeug­nis des Klos­ters.  Die »Cro­nica Rein­heres­bru­nen­sis«, ent­stan­den im Auf­trag Her­manns I. im  12. bzw. im frü­hen 13. Jahr­hun­dert, ist das wich­tigste lite­ra­ri­sche Zeug­nis von Rein­hards­brunn.

Auf sei­nem Weg zum Worm­ser Reichs­tag im April 1521 machte Mar­tin Luther im Klos­ter Rein­hards­brunn Sta­tion. 1525 wur­den des­sen Gebäude weit­ge­hend zer­stört. 1530 wur­den in den Rui­nen sechs Wie­der­täu­fer hin­ge­rich­tet, die Fried­rich Myco­nius dort ver­hört hatte. Aus den Res­ten des Klos­ters ent­stand 1572 ein Jagd­schloss, das von Doro­thea Maria bald erwei­tert wurde und ihrem Sohn Ernst den From­men glück­li­che Kin­der­tage bescherte.

In den Klos­ter­tei­chen erlern­ten seit 1785 unter der Auf­sicht von Johann Chris­toph Fried­rich Guts­Muths erst­mals an einer deut­schen Schule Kin­der das Schwim­men. 1835 bis 1850 bau­ten die Coburg-Gothaer Her­zöge das Schloss um. Lud­wig Bech­stein sah es schon 1842 wie in »einer Perle in far­ben­schil­lern­der Muschel­schale« ruhen. Den bald dar­auf nach der damals herr­schen­den Mode ange­leg­ten eng­li­schen Land­schafts­park beschrieb Her­mann von Pück­ler-Mus­kau 1845 als »einen der sehens­wer­tes­ten Punkte im Thü­rin­ger Wald«.

Josef Vic­tor von Schef­fel war 1859 dort und lobte die Fische: »Sie­ben Fisch­lein, wohlgesalzen,/Trug der Tisch – ich fand sie recht,/Doch im Tei­che sah ich schnalzen/Einen wun­der­gro­ßen Hecht!« Auch Theo­dor Fon­tane war im Juli 1873 vom Ort ange­tan: »In der Rein­hards­brun­ner Mühle einen Som­mer lang zu ras­ten, ist eine Freude für das Herz.«

Gern und oft hielt sich Her­zog Ernst II. in Rein­hards­brunn auf. 1845 zähl­ten sein Onkel König Leo­pold I. von Bel­gien (1790–1865) und seine Schwä­ge­rin Köni­gin Vic­to­ria von Groß­bri­tan­nien (1819–1901) zu sei­nen Gäs­ten. In spä­te­ren Jah­ren fand er in Rein­hards­brunn Ruhe zum Kom­po­nie­ren und zum Schrei­ben. 1893 starb er hier. Süd­lich des Schloss­ho­fes zeigt eine Stein­skulp­tur, die 1840 ent­stand, den jun­gen Her­zog als Jäger.

Heute steht das Schloss leer und ist größ­ten­teils ent­kernt. Vor­ge­se­hen ist, den Hotel­be­trieb, wie es ihn zur DDR-Zeit hier gab, wie­der­auf­zu­neh­men. Der Schloss­park ist nur zu den Füh­run­gen in den Som­mer­mo­na­ten, mitt­wochs, sonn­abends und sonn­tags jeweils 14 und 15 Uhr zugäng­lich. Ein Modell des Klos­ters sowie der Schau­en­burg befin­det sich nörd­lich des Schloss­parks.

 

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