Weida

Ort

Weida

Thema

Ortsporträts

Autor

Detlef Ignasiak

Das literarische Thüringen, Bucha 2018.

Aus dem Reichs­mi­nis­te­ri­alen­ge­schlecht der Vögte von Weida gin­gen die Fürs­ten von Reuß her­vor. Ihr Sitz war bis 1427 die gut erhal­tene, sich inmit­ten Weidas befin­dende Oster­burg. Dadurch gilt Weida als »Wiege des Vogt­lan­des«. Eli­sa­beth von Weida (1460–1532), Toch­ter des Weidaer Vogts Hein­rich XXI., war die bedeu­tendste Äbtis­sin des Stifts Gern­rode. Mit dem Geschlecht ver­ban­delt war ver­mut­lich auch der spä­tere Erfur­ter Domi­ni­ka­ner­pre­di­ger Mar­cus von Weida (um 1450–1516), der in sei­nen Trak­ta­ten (»Spi­gell des ehli­chen ordens«, 1487) immer wie­der auf die Bedeu­tung des Glau­bens für die Erlan­gung der Gnade Got­tes hin­wies und damit Mar­tin Luther vor­griff.

Der 1643 in  Plauen gebo­rene Theo­loge und Astro­nom Georg Samuel Dörf­fel starb 1688 in Weida. Dörf­fels Haupt­werk »Betrach­tung des Gro­ßen Come­ten« (1681) wurde von dem Leip­zi­ger »Lite­ra­tur­papst« Johann Chris­toph Gott­sched (1700–66) als bedeu­ten­des wis­sen­schaft­lich-lite­ra­ri­sches Buch sei­ner Zeit gewür­digt. – Dörf­fel war von 1684 bis zu sei­nem Tod Super­in­ten­dent in Weida. Ein Epi­taph mit ganz­fi­gu­ri­gem Por­trät erin­nert in der Mari­en­kir­che an ihn, dane­ben am alten Pfarr­haus befin­det sich eine Gedenk­ta­fel für ihn.

Karl Erd­mann Hering wurde 1856 in Weida gebo­ren. Er besuchte das Gym­na­sium in Gera und reiste spä­ter als Kauf­mann durch Europa und Afrika. Lange Zeit lebte er in Alex­an­dria und ab 1907 in Ber­lin. Er war zunächst mit Lust­spie­len (»Strafe muss sein«, 1893; »Ren­dez­vous«, 1897) erfolg­reich, bevor er in der Nach­folge von G. Ebers in Ägyp­ten spie­lende Romane (»Die Orden des Prin­zen Riza«, 1904; »Ram­ses der Zweite«, 1909) ver­fasste.

Der Dra­ma­ti­ker, Erzäh­ler und bedeu­tende Sagen­samm­ler Paul Quen­sel, der spä­ter auch unter dem Pseud­onym Alex­an­der Wie­den schrieb, wurde 1865 in Weida gebo­ren. Bekannt wurde er mit der Musi­ker­ko­mö­die »Das Alter« (1903), die von 50 Thea­tern bis hin nach Ber­lin auf­ge­führt wurde. Von Quen­sels umfäng­li­chem heute ver­ges­se­nen erzäh­le­ri­schen Werk sind die »Drei Novel­len« (»Der Mücken­jä­ger«, »Meis­ter Zins­er­ling«, »Der Letzte«, 1912) erwäh­nens­wert, die in einem fik­ti­ven »Wie­den­bruck« (hin­ter dem sich Weida ver­steckt) spie­len; auch der Roman »Am Tage Mar­ga­re­tae« (1935), ange­sie­delt im 17. Jh., spielt teil­weise in Weida und auf der Oster­burg. Quen­sel starb 1951 in Wei­mar, sein Grab befin­det sich auf dem his­to­ri­schen Fried­hof.

1925 traf sich in Weida (»Weidaer Kon­fe­renz«) der Eng­län­der Aleis­ter Crow­ley (1875–1947) mit deut­schen Okkul­tis­ten und ließ sich zum »Welt­hei­land« aus­ru­fen. Mit dabei Albin Grau (1884–1971), Pro­du­zent des ers­ten deut­schen Hor­ror­films »Nos­fe­ratu. Sym­pho­nie des Grau­ens«, der 1922 unter Regie von Fried­rich Wil­helm Murnau ent­stand.

Für den 1955 in Weida gebo­re­nen Lie­der­ma­cher und DDR-Oppo­si­tio­nel­len Ste­fan Kraw­c­zyk war die Stadt sei­ner Kind­heit und Jugend »eine der tris­tes­ten der Welt«. In dem auto­bio­gra­phi­schen Roman »Das irdi­sche Kind« hat er 1993 die klei­nen Leute der Mozart­straße und des Schre­ber­ber­ges ein­drucks­voll beschrie­ben, auch die harte Arbeit vie­ler Weidaer im Uran­berg­bau, von denen nicht wenige wie sein Vater früh star­ben.

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