»Enfant terrible« – Über Charlotte von Kalb

Person

Charlotte von Kalb

Ort

Kalbsrieth

Thema

Literarisches Thüringen um 1800

Autor

Christoph Schmitz-Scholemann

Thüringer Literaturrat e.V.

Ein bißchen schrill war sie schon, das ist sicher. Ob eher im guten oder im schlechten Sinn, darüber lohnt sich auch heute noch das Nachdenken:  An Charlotte von Kalb schieden sich schon im klassischen Weimar die Geister. Die einen sahen in ihr eine kokette, überspannte und mannstolle Hysterikerin. Die anderen waren angetan von ihrem wachen Verstand, ihrer Feinfühligkeit und ihrem unkonventionellen Lebensstil: Goethe, der nicht gerade bekannt dafür war, überkandidelte Charaktere zu schätzen, suchte ihre Nähe nicht, nannte sie aber »eine geistreiche und geliebte Freundin« und schenkte ihr Kaviar. Die Kontroversen über Charlotte gingen auch nach ihrem Tod weiter. In Charlottes  posthum erschienenen Lebenserinnerungen erkannte der Vorleser und Schriftsteller Emil Palleske »die wunderbarsten (Memoiren), die vielleicht geschrieben sind«.  Von tiefer Verachtung zeugt dagegen das Urteil des Malers und Schriftstellers Ernst Förster über Charlottes literarische Versuche: sie seien ein »200 Seiten währender Vernichtungskampf gegen Grammatik, Orthographie, Natur und gesunden Menschenverstand«.  Sicher ist, dass Charlotte als Fränkin nicht sicher zwischen b und p oder d und t und dem Genitiv und dem Dativ unterschied und dass sie, vermutlich durch ein Augenleiden bedingt, oft mühsam las und krakelig schrieb. Sicher ist auch, dass der Lebensweg dieser Frau, was ihre äußeren, wirtschaftlichen Verhältnisse betrifft, aus der Behaglichkeit einer reichen Adelsfamilie im behäbig schlurfenden Tempo eines verworrenen Gerichtsprozesses Schritt für Schritt in drückende Altersarmut führte – ohne dass Charlotte von Kalb je den Glauben an sich selbst und an die Macht der Liebe verloren hätte. Ihre letzten Jahre hatten sogar etwas Heiteres.

 »Enfant terrible« – Über Charlotte von Kalb:

  1. Lebensweg – Teil I
  2. Schiller – der Kampf
  3. Ein glühender Strom - Jean Paul
  4. Werke und Tage – Lebensweg II
  5. »Man muss nicht hoffen, um zu beginnen, man muss keinen Erfolg haben, um zu überdauern.«

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