Sieglinde Mörtel – »Tratsch vun frieher un itze«

Personen

Sieglinde Mörtel

Ulf Annel

Orte

Jena

Hummelshain

Thema

Gelesen & Wiedergelesen

Autor

Ulf Annel

Alle Rechte beim Autor. Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors. / Erstdruck in »Thüringer Allgemeine« / »Thüringische Landeszeitung«, 4.6.2020.

Gele­sen von Ulf Annel

Wasndas?

 

Da liegt auf­ge­schla­gen ein Buch. Ein Mann schaut auf die linke Seite und fragt: »Wasndas?« Was ist denn das? Die Ant­wort ist ein­fach. Es ist Dia­lekt, so geschrie­ben wie gespro­chen. Das Buch hat den Titel „»TRATSCH vun frie­her un itze«. Das groß­buch­sta­bige Wort ist sofort ver­ständ­lich, der Rest ent­schlüs­sel­bar. Es wird der Leser­schaft auch sonst leicht­ge­macht, denn dies ist ein zwei­spra­chi­ges Buch: links die Mund­art, die zwi­schen Saale, Orla, Ilm und Roda gespro­chen wurde, aber immer weni­ger gespro­chen wird, rechts hochdeutsch.

Die Autorin Sieg­linde Mör­tel ist dort auf­ge­wach­sen, mit­ten­drin im Dia­lekt­misch­masch – denn ihr Hei­mat­dorf liegt auf der Grenze dreier Thü­rin­ger Sprach­ge­biete. In Mör­tels Kin­der­wör­ter und ‑sätze fügte sich zudem väter­li­ches Erfurtsch. Lei­ses Lesen des Buches emp­fiehlt sich rechts, links hilft lau­tes Vor­le­sen (oder man besucht dem­nächst, wenn es wie­der mög­lich ist, eine der sehr unter­halt­sa­men Lesun­gen der Autorin).

Die Geschich­ten, die Sieg­linde Mör­tel erzählt, sind in bes­ter Manier unter­halt­same Hei­mat­ge­schich­ten. Selbst in Hoch­deutsch lugt sprach­lich das Hie­sige immer wie­der durch, wenn von Kabuff, Lumi­schen und Pur­zel­korb die Rede ist. Man­che Wör­ter, vor allem die Aus­ge­stor­be­nes bezeich­nen (wie z.B. Kon­sum und Jugend­tanz, ABV und Kuba-Orange), wer­den im Anhang erklärt. Wer das aller­dings gleich weiß und auch was es bedeu­tet, »einen Flitz im Kopf zu haben«, der ist klar im Vorteil.

Ohne trot­zig mit dem Fuß auf­zu­tre­ten, wird über das nor­male Leben in einem Land erzählt, in dem glück­lich zu leben kein Unrecht war. Und es wird ver­gli­chen: damals und heute. Nicht immer fällt der Ver­gleich zuguns­ten des »itze« aus. Obwohl durch­aus Fort­schritt zu bemer­ken ist, sogar im dörf­li­chen Bereich, wo frü­her Mist­hau­fen gesprengt wur­den. Wer es genauer wis­sen möchte, lese Sieg­linde Mör­tels Buch.

 

  • Sieg­linde Mör­tel: TRATSCH vun itze un frie­her, Wel­ken­ver­lag, Jena 2020, 16 €.
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