Palmbaum – literarisches Journal aus Thüringen Heft 2/2019

Thema

Aktuelles

Autor

Jens-F. Dwars

Palmbaum - Literarisches Journal aus Thüringen 2-2019.

Wir hat­ten gehofft, mit dem Bau­haus-Heft den »Schmerz­punkt unse­rer fröh­li­chen Gegen­wart« wenigs­tens zu kit­zeln. Viele spra­chen uns pri­vat auf das Heft an, das ja den ein­zi­gen wei­ßen Fleck auf dem viel beacker­ten Feld der Wei­ma­rer Avant­garde-Schule in Augen­schein nahm: den Umgang des Bau­hau­ses mit Spra­che und Lite­ra­tur. Aber nir­gends ein öffent­li­ches Echo, geschweige denn eine Debatte. Nicht ein­mal das neue Bau­haus-Museum, das von nahezu allen gro­ßen Zei­tun­gen Deutsch­lands mit Kri­tik bedacht wird, kann in Thü­rin­gen einen wirk­li­chen Streit aus­lö­sen. Macht die sanfte Hügel­land­schaft ringsum uns so hand­zahm …?

So wol­len wir dies­mal den Blick über Thü­rin­gen hin­aus rich­ten: wir neh­men den 200. »Geburts­tag« von Goe­thes ›West-öst­li­chem Divan‹ zum Anlass, um nach der wech­sel­sei­ti­gen Berei­che­rung von Ost und West durch Lite­ra­tur zu fra­gen. Wir zei­gen, wie deut­sche Autoren seit Jahr­hun­der­ten durch Erkun­dung des »Ostens« das »west­li­che« Bewusst­sein erwei­tert haben und unter­lau­fen damit einen »Ost-West-Gegen­satz«, der noch immer oder schon wie­der von den Vor- und Ver­stel­lun­gen des Kal­ten Krie­ges geprägt ist, einen Denk­ho­ri­zont, für den – 30 Jahre nach der »Wie­der­ver­ei­ni­gung« – die »neuen Bun­des­län­der« der Osten sind und Mos­kau schon zu Asien gehört. Mit­hin möch­ten wir an die his­to­risch gewach­sene Auf­gabe Deutsch­lands erin­nern, ein Mitt­ler zwi­schen West und Ost zu sein.

Klaus Bel­lin skiz­ziert die Ent­ste­hung des Goe­the­schen Divans. Mit Hans­jörg Rothe bli­cken wir auf die Antike-Rezep­tion im Mit­tel­al­ter, Syl­via Brä­sel ver­weist auf Spu­ren des Kon­fu­zia­nis­mus in der Auf­klä­rung, Ger­hard Schau­mann geht dem Motiv der »rus­si­schen Seele« in der deut­schen Lite­ra­tur nach und Gun­nar Decker befragt Her­mann Hes­ses Indien-Bild. Harald Heyd­rich erin­nert an Johan­nes Bob­row­skis Sar­ma­ti­schen Divan und Fried­rich Schor­lem­mer berich­tet, wie sowje­ti­sche Filme und Bücher die DDR-Oppo­si­tion vor der Wende bestärkt haben. Mat­thias Bis­ku­pek erzählt von sei­nem Japan, Jür­gen Große setzt sich mit Ost-Kli­schees am Bei­spiel von Ines Gei­pel aus­ein­an­der und mit Fried­rich Dieck­manns Essay über Moses bei Goe­the, Schil­ler und Freud schließt sich der Kreis.

Natür­lich brin­gen wir auch neue Lyrik, Prosa und Essays, gehen auf lite­ra­ri­sche Spu­ren­su­che, brin­gen 25 Sei­ten Rezen­sio­nen, Inter­views mit dem Cass-Ver­lag und dem Kup­fer­ste­cher Bald­win Zettl und als fina­len Höhe­punkt Lau­da­tio und Dan­kes­rede zur Ver­lei­hung des Thü­rin­ger Lite­ra­tur­prei­ses an Sibylle Berg.

Jens‑F. Dwars

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