»getroffen von einem Tag, der keine Lüge kennt« – Hanns Cibulka in Großkochberg
2 : Das »Hohe Haus« und der romantische Landschaftspark

Person

Hanns Cibulka

Orte

Schloß Kochberg

Großkochberg

Thema

Von 1945 bis zum Ende der DDR

Autor

Bernd Ritter

Die Exkursion entstand im Rahmen eines Projekts der Literarischen Gesellschaft Thüringen e.V.

Im Schloss­hof, an der ein­sprin­gen­den Ecke des Ost­flü­gels, steht eine ver­wit­terte Grab­platte. Sie soll vor vie­len Jah­ren aus der Kir­che von Hei­li­gen her­über gebracht wor­den sein. In der Mitte des Stei­nes das Koch­ber­ger Wap­pen: Schrot­lei­ter unter einem Stech­helm. Die Grab­platte Bern­hards von Koch­berg, Hof­meis­ter des Kur­fürs­ten Fried­rich von Sach­sen.

In wel­chem ver­wandt­schaft­li­chen Ver­hält­nis stand Bern­hard zu dem Jun­ker Hanns? Einen Jun­ker Hanns von Koch­berg soll der Sage nach der Teu­fel geholt haben. Genau am 18. Novem­ber 1573. Hatte der Jun­ker gewet­tet? Wie der Dok­tor Johann Faus­ten, der weit­ge­reiste Zau­be­rer und Schwarz­künst­ler?

Über des­sen Ende lesen wir im Volks­buch von 1587 sinn­ge­mäß, dass plötz­lich, in der Nacht zwi­schen zwölf und ein Uhr, ein unge­stü­mer Wind auf­ge­kom­men war, der das Haus, in wel­chem Dok­tor Faus­tus und die Stu­den­ten näch­tig­ten, zu zer­schla­gen drohte. Das Äch­zen und Knir­schen des Gebälks weckte die Stu­den­ten, die sich ängst­lich flach auf die Die­len leg­ten und wie Mön­che bete­ten, wäh­rend der auf den Tod erschro­ckene Wirt aus dem Hause lief.

Da ver­nah­men die Stu­den­ten aus Faus­tens Kam­mer ein greu­li­ches Pfei­fen und Zischen, als ob das Haus vol­ler Schlan­gen und Nat­tern sei. Faus­tus stieß ein­mal die Türe auf und schrie um sein Leben – dann ward es still. Und es blieb still bis zum Mor­gen. Erst als es hell gewor­den war, fass­ten die Stu­den­ten Mut und gin­gen vor­sich­tig in die Kam­mer des Dok­tors, um nach ihm zu sehen. Doch was sie sahen waren Blut und Hirn an den Wände. Die Augen und eini­gen Zähne lagen auf dem Boden. Der Teu­fel musste den armen Faus­tus mit gan­zer Kraft gegen die Wände geschmet­tert haben. Den zer­schla­ge­nen Leib fand man spä­ter drau­ßen auf dem Mist.

Immer­hin: Dok­tor Faus­tus, mag er nun Jörg oder Georg oder Johann gehei­ßen haben, hat – wenn auch nicht als ein Bau­ern­sohn aus dem Wei­ma­ri­schen, wie es im Volks­buch zu lesen ist – exis­tiert. Er war Zeit­ge­nosse Luthers, Melan­chthons, Münt­zers, des Eras­mus von Rot­ter­dam und des Para­cel­sus und des Guten­berg.

Es heißt, Goe­the habe die Sage vom Schwarz­künst­ler Faus­tus schon als Kind in Frank­furt gekannt. In Koch­berg könnte er die Sage vom Jun­ker Hanns von Koch­berg ken­nen gelernt haben. Ihm zur Bestä­ti­gung? Goe­the wusste um die Jahr­hun­derte alte Teu­fels­bünd­ner­tra­di­tion, in der sein (Ur)Faust stand. In der nord­west­li­chen Ecke des Parks, wo hin­ter den Zäu­nen bereits die Fel­der anset­zen, ste­hen zwei uralte Robi­nien mir dun­kel­grü­nen Mis­tel­bü­schen in der Krone.…

Hanns Cibulka war weder ein emsi­ger Brie­fe­schrei­ber noch ein gro­ßer Theo­re­ti­ker. Aber manch­mal hat er doch so etwas wie eine Poe­tik for­mu­liert. »Was mich an unse­rer Spra­che fas­zi­niert, ist ihre außer­ge­wöhn­li­che Dyna­mik… Heute arbei­tet man an einem Gedicht oft meh­rere Tage und Wochen, aber damals schrieb man an einem ein­zi­gen Vor­mit­tag sei­ten­lange Verse nie­der…«

 »getroffen von einem Tag, der keine Lüge kennt« – Hanns Cibulka in Großkochberg:

  1. Schloss Kochberg – ein Refugium?
  2. Das »Hohe Haus« und der romantische Landschaftspark
  3. Hanns Cibulka und Halina – eine Liebe in der Erinnerung
  4. Hummelsberg und Mooshütte
  5. Gedanken beim Wandern
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