Lesung mit Aribert Janus Spiegler im Kultur: Haus Dacheröden in Erfurt

Wann:
28. Mai 2022 um 19:30
2022-05-28T19:30:00+02:00
2022-05-28T19:45:00+02:00
Wo:
Kultur: Haus Dacheröden in Erfurt
Anger 37
99084 Erfurt
Preis:
8,00 € / 6,00 € ermäßigt
Kontakt:
Erfurter Herbstlese e.V.

Ari­bert Janus Spieg­ler liest aus sei­nem Buch »Kress­mann Tay­lor: Adres­sat unbekannt«

 

Ein Brief­wech­sel aus den frü­hen drei­ßi­ger Jah­ren doku­men­tiert, wie das Gift natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Ideo­lo­gie eine Freund­schaft rui­niert. Die Geschichte eines fei­gen Ver­rats und der eis­kal­ten Heimzahlung:

Die Freunde Max Eisen­stein und Mar­tin Schulze besit­zen in San Fran­cisco gemein­sam eine Kunst­ga­le­rie. Als Mar­tin 1932 mit sei­ner Fami­lie nach Deutsch­land heim­kehrt, ersetzt eine innige Kor­re­spon­denz Bei­sam­men­sein und ver­traute Gesprä­che. Welt­of­fen­heit und Libe­ra­li­tät, Lebens­freude und Groß­her­zig­keit spre­chen aus ihren ers­ten Briefen.

Als der Jude Max aller­dings Anfang 1933 sei­nen Freund arg­los nach »die­sem Adolf Hit­ler« fragt, von dem man in Ame­rika liest, spürt man in Mar­tins Ant­wort bei allen Vor­be­hal­ten auch die Fas­zi­na­tion, die »der Füh­rer« auf ihn aus­übt. Tat­säch­lich sind Mar­tins Zwei­fel am neuen Regime erschre­ckend schnell ver­schwun­den. Wäh­rend Max die Neu­ig­kei­ten aus Deutsch­land zuneh­mend beun­ru­hi­gen, zumal seine Schwes­ter Gisela als Schau­spie­le­rin den Wech­sel von Wien nach Ber­lin erwägt, beginnt Mar­tin eine Par­tei­kar­riere und ver­bit­tet sich wei­tere Briefe: »Es ist mir unmög­lich, wei­ter­hin einen Schrift­wech­sel mit einem Juden zu unterhalten«.

Doch die Sorge um Gisela, mit der Mar­tin einst eine Affäre hatte und die Max daher dem Her­zen sei­nes Freun­des immer noch nahe glaubt, macht wei­tere Briefe not­wen­dig. Max beschwört Mar­tin, ein Auge auf seine Schwes­ter zu haben, als sie wirk­lich nach Ber­lin geht, und bit­tet ihn schließ­lich im Novem­ber 1933 ver­zwei­felt um Hilfe: Ein Brief an Gisela kam mit dem Ver­merk »Emp­fän­ger unbe­kannt« an ihn zurück. Mar­tin reagiert nicht. Max erfährt, dass Gisela als Jüdin ent­tarnt und auf der Flucht von SA-Leu­ten ermor­det wurde. Mar­tin, bei dem sie noch Zuflucht suchte, hatte ihr die Tür gewiesen.

So kalt und unmensch­lich wie Mar­tins Tat, so fürch­ter­lich ist die Rache, die ihn ereilt. Unauf­halt­sam schreibt Max nun dem ehe­ma­li­gen Freund Briefe, die sich wie codierte Geheim­nach­rich­ten lesen, und lenkt damit sys­te­ma­tisch den Arg­wohn der Nazi-Zen­sur auf ihn. Mar­tins Appell an den »alten Freund«, diese höchst ver­däch­ti­gen Schrei­ben ein­zu­stel­len, ver­hallt unge­hört. Max führt die Ver­gel­tung bis an ihr Ende: Im März 1934 kommt sein letz­ter Brief an Mar­tin zurück nach San Fran­cisco – mit dem Ver­merk »Emp­fän­ger unbekannt«.

Die Lesung von Ari­bert Janus Spieg­ler aus Kress­mann Tay­lors „Adres­sat unbe­kannt“ ist eine Begleit­ver­an­stal­tung zu sei­ner Foto-Aus­stel­lung „Gleis-Beset­zung“ im Kul­tur: Haus Dacheröden.

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