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Jens-F. Dwars
Palmbaum - literarisches Journal aus Thüringen, Heft 1/2026.
Editorial
Das erste Vierteljahrhundert des dritten Jahrtausends ist Geschichte. Merkwürdig, dass niemand diese Zäsur zu bemerken scheint. Müssten die Medien nicht einander überschlagen mit dem Versuch einer Bilanz? Oder meiden wir aus Instinkt eine Besinnung auf das, was mit und durch uns selbst in den vergangenen 25 Jahren geschehen ist? Eigentlich in den vergangenen 35 Jahren. Damals, am Beginn der 90er Jahre, hieß es, die Geschichte sei an ihr Ende gelangt. Nach dem Untergang der Zweiten Welt im Kalten Krieg gäbe es nur noch die erste, die sich globalisierende Welt der Demokratie und freien Marktwirtschaft nach westlichem Vorbild, die auch die Probleme der Dritten Welt lösen werde.
Um den nüchternen Blick auf das Hier & Heute zu schärfen, laden wir mit diesem Heft zu einer Erinnerung an die Zukunft ein: Was haben wir vor 50 Jahren vom 21. Jahrhundert erwartet, was hat es uns gebracht? 18 Autorinnen und Autoren von Wilhelm Bartsch und Daniela Danz über Nancy Hünger und Steffen Mensching bis zu Rolf Schneider, Ingo Schulze und Kathrin Schmidt umkreisen mit ihren Beiträgen, woher wir kommen und wohin wir gehen. Oder treibt es uns eher im Sog der wiedererwachten Geschichte in ein Irgend- und Nirgendwo? Wäre eine radikale, an die Wurzeln unserer Lebensweise rührende Bilanz vonnöten, um wieder nach vorn denken zu können? Und was kann Literatur dabei leisten?
Neue Gedichte haben uns Thomas Böhme, Thomas Rackwitz, Claus Löser und Wolfgang Haak gesandt. Von Andreas Reimann bringen wir Sonette und von Joachim Werneburg einen Zyklus zu Thüringer Bergen. Im Prosa-Block erwarten Sie Geschichten von Kathrin Groß-Striffler, Jürgen Jankofsky und André Schinkel. Unter Essay poetologische Überlegungen von Philipp Kampa neben Friedrich Dieckmanns Frage nach einer Nationalkultur und Beobachtungen von Hans-Dieter Schütt am Werk von Volker Braun. In der Spurensuche erinnern wir an Goethes Vollendung des Helena-Aktes vor 200 Jahren und den 300. Geburtstag von Friedrich Wilhelm Zachariä. Der Rezensionsblock umfasst 19 Seiten, auf denen wir 17 Bücher empfehlen.
Für den Einband konnten wir Michael Morgner gewinnen. Einen der großen Bildermacher des Ostens, der immer seinem eigenen Weg gefolgt ist, jenseits ideologischer Vorgaben einst und gewinnversprechender Anpassung an die Moden des Kunstmarkts heute.
Jens‑F. Dwars
Michael Morgner / Jens-Fietje Dwars / Zeitschrift »Palmbaum - literarisches Journal aus Thüringen«.
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