Thema
Jens-F. Dwars
Alle Rechte beim Autor. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Wenn dieses Heft aus der Druckerei kommt, ist das Rätsel aller Rätsel gelöst: Wer bekommt den Literaturnobelpreis des Jahres 2026. Interessiert das wirklich jemanden außer den Buchmachern, die Wetten auf mögliche Kandidaten annehmen? Die Zeiten sind vorbei, da man Großautoren wie lebende Götter verehrte. Ein Freund pflegte schon als Student vor 40 Jahren zu spotten: „Zum Nobelpreis hat‘s gereicht …“, wenn wieder der neueste Preisträger beweihräuchert wurde. Je weniger bislang beachtet, desto größer der Pressehype. Natürlich war das ungerecht, denn die Mehrzahl der solcherart Geehrten sind gute, oft exzellente Autoren. Allerdings gibt es eine ganze Reihe bester Autoren der Weltliteratur, die den Preis nie erhalten haben von Franz Kafka über Brecht und James Joyce bis zu Heiner Müller und Thomas Bernhard. Der einzige Thüringer Nobel-Preisträger war der „Lebensphilosoph“ Rudolf Eucken (1909), wir machen die Probe aufs Exemple: Was sagt er uns heute noch? Kann Erfolg ein Irrtum sein? Wir fragen mit diesem Heft nach den Geheimnissen des Literaturbetriebs: Wie werden Preise und Bestsellerlisten gemacht? Wie funktioniert die Vermarktung des Geschriebenen – einst, heute und in Zukunft. Denn KI ist längst auf dem Sprung, den Markt mit zeitkonformen Büchern als Mix gängiger Muster zu bedienen. Ist das die Chance für eine andere Literatur jenseits der Betriebsamkeit – oder wird das Andersartige gar nicht mehr wahrgenommen, weil Literatur längst ein Geschäft ist …?
Kerstin und Gunnar Decker erinnern an die Nobelpreisnominierung für Nietzsches Schwester, den Streit um die nicht nominierte Christa Wolf und das Unbehagen über den Preis bei Hermann Hesse. Katrin Lemke berichtet, was Sigrid Undset mit dem Preisgeld gemacht hat und Hans-Dieter Schütt schildert Thomas Bernhards Haltung zu Preisen. Wie funktioniert der Deutsche Verlagspreis, fragt Achim Wünsche, und was KI-Romane leisten könnten, entwickelt Olaf Trunschke in einem fiktiven Interview.
Neue Lyrik bringen wir u.a. von Ulf Annel, Annerose Kirchner und Thomas Böhme, Prosa von Gorch Maltzen. Hansjörg Rothe verbindet Monty Python mit Brecht, Holger Uske hinterfragt Beobachtungen von Jana Hensel und Rolf Schneider erinnert an die Ausbürgerung von Wolf Biermann vor 50 Jahren, gegen die er als einer der ersten Protest erhob.
Zum 100. Geburtstag von James Krüss erstveröffentlichen wir den Entwurf eines Gedichtes für Peter Hacks. Wir gedenken des Poeten unter den Grafikern: Gerhard Altenbourg. Und die Einbandzeichnung stammt von einem Partisanen des Kunstbetriebs: Jim Avignon.
Jens‑F. Dwars
Einbandgestaltung: Jens-F. Dwars unter Verwendung einer Grafik von Jim Avignon.
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