Friedrich von Hagedorn – »Beschreibung des Jenischen Paradieses, so wie es im Frühlinge und Sommer beschaffen«

Ort

Jena

Thema

Jede Woche ein Gedicht

Autor

Friedrich von Hagedorn

aus: Friedrich von Hagedorn: Versuch einiger Gedichte oder Erlesene Proben Poetischer Neben-Stunden, Hamburg 1729.

Fried­rich von Hagedorn

Beschrei­bung des Jeni­schen Paradieses,
so wie es im Früh­linge und Som­mer beschaffen

 

Dort wo wir Sach­sens Zier,
das nette Saal-Athen,
Von gäher Berge Höhen sehn,
In wel­chem edlen Musen-Sitz
So viele Hüter sei­nes Heils,
So vie­ler wei­sen Väter Witz,
Zum Glü­cke derer, die sie hören,
Der Wis­sen­schaf­ten Wert durch gründ­lich-tiefe Lehren,
Durch viel‹ unschätz­bare und ew’ge Werke mehren:
Wo wahre Weis­heit herrscht und gegenteils
Stets der Pedan­ten Schwarm am meis­ten lächerlich:
Dort zei­get vor der Stadt dem fro­hen Anblick sich
Ein Lust-Ort, der mit Recht das Para­dies genannt
Es hat hier die Natur mit mil­der Hand
Zur schöns­ten Schil­de­rei von ihrem Segens-Stand
Der bun­ten Far­ben Schmelz, der Lage Trefflichkeit
Des glat­ten Bodens blü­micht Kleid
Der Bäume spie­lende und grüne Dunkelheit
Ver­schwen­de­risch, doch viel­mehr mit klu­ger Wahl verwandt,
Die unsern Augen nur was Aus­er­le­se­nes gönnt.

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