Julia Kulewatz – »O Nyx«

Ort

Erfurt

Thema

Jede Woche ein Gedicht

Autor

Julia Kulewatz

Alle Rechte beim Verlag kul-ja! publishing, Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlages. Aus: Julia Kulewatz, O Nyx. Nachtgedichte, kul-ja! publishing, Erfurt 2025.

Julia Kule­watz

O Nyx

 

So wischen wir die Schat­ten von Laken zu Laken, immer in Eile, immer dann, wenn mich die erste Sonne trifft. Lies das Lächeln von den Kan­ten auf: Inti­mi­tät auf einem zum Kis­sen geschla­ge­nen Schmet­ter­ling, prä­sen­tiert wie etwas, das hätte in Unschuld ver­flie­gen kön­nen, im Schlaf viel­leicht, neben mir geträumt, nicht ich, nicht wir, nur ein Sin­ken. Es sei, als hät­ten wir mit­ein­an­der trei­ben kön­nen; gebet­tet, gefe­dert, getra­gen. Glei­che, unter bedroh­li­chen Wol­ken. Liebste, sag, hat dich die Trauer ange­fasst? – Ein Vor­über­glei­ten, nicht mehr, ein Zer­trin­ken wie durch glä­serne Halme, ein ver­zwei­fel­tes, stum­mes Rüt­teln an Pfei­lern und Fes­ten. Gleich jenen, die ich an Hän­den und Hals­bän­dern führe. Alle Flü­gel sind uns schwer gewor­den. Nur die Bli­cke hal­ten; Unver­spro­che­nes, Unwie­der­bring­li­ches, Unver­nunft und dich. O Nyx. Ver­spro­che­nes durch­geis­tert den Äther noch, wie ich Ver­stor­bene, Phi­lo­so­phen bei Nacht. Schon fast als hät­ten wir blei­ben kön­nen. Anein­an­der lie­gend. Geblie­ben sind gebli­chene Gesich­ter, bett­ge­spie­gelt, ver­schat­tet ein Fal­len an Lei­nen und früh ver­weh­tem Pap­pel­schnee. Halt allein das Gesagte fest. Ver­näht sind Mün­der ein unsag­ba­res Geleit, Blei­ben ist schon mor­gen gefährlich.

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