Gottfried Benn

Der expressionistische Lyriker, Essayist, Mediziner und Offizier wird am 2. Mai 1886  geboren. Er ist Sohn einer Pfarrersfamilie im brandenburgischen Dorf Mansfeld. Sehr bald  fasst Benn den Entschluss, Medizin zu studieren, widmet sich aber auf Wunsch seines Vaters zunächst der Theologie. Erst zwei Jahre nach dem Abitur beginnt er sein Studium an der Kaiser-Wilhelm-Akademie für militärärztliches Bildungswesen in Berlin. Anders als in den vorangegangenen Studiengebieten erreicht Benn nun sehr gute Ergebnisse. Gleichzeitig prägt ihn der militärische Charakter der Akademie, der auch in seinem späteren Leben wegweisend sein wird. Einen Großteil seiner Zeit verbringt Benn in der Bibliothek. Er liest mit enormer Geschwindigkeit die dortigen Fachzeitschriften, tritt aber auch bereits mit expressionistischen Dichtern wie Alfred Lichtenstein oder Herwarth Walden in Kontakt. Später verschreibt er sich dem Gedankengut Friedrich Nietzsches.

Ab 1912 betätigt sich Benn als Unter- und Militärarzt. Er veröffentlicht seine erste Lyriksammlung »Morgue und andere Gedichte«, die auf Benns Tätigkeit im Leichenschauhaus und dem Sektionssaal fußt. Das lesende Publikum äußert kollektives Entsetzen. Doch heißt entsetzt offenbar nicht abgeschreckt, denn Benn erringt sogleich einen gewissen Bekanntheitsgrad. Noch zu Lebzeiten wird er später Briefe von angehenden Lyrikern erhalten, die ihn als ihr Vorbild preisen. In seiner Praxis legt mancher Patient, statt sich freizumachen, ein selbstverfasstes Gedicht zur Diagnose vor.

Benns zweiter Gedichtband ist der deutsch-jüdischen Dichterin Else-Lasker Schüler gewidmet. Die Liebesbeziehung zwischen beiden Exzentrikern ist in einem dichterischen Dialog auf einzigartige Weise dokumentiert. Das Verhältnis ist von kurzer Dauer – im Laufe seines Lebens geht Benn zahlreiche weitere Affären ein.

Nach Ausbruch des Krieges wird Benn zunächst in Feldlazaretten eingesetzt, später als Oberarzt im Prostituiertenkrankenhaus Brüssel. Die Reise- und Kriegserlebnisse schlagen sich in seinen Werken nieder. Ab 1917 führt Benn eine eigene Praxis in Berlin, hat damit aber wenig Erfolg. Er selbst leidet zeitlebens an Depressionen und Ekzemen. Zu seiner ersten Frau Edith Osterloh-Brosin, dem Adoptivsohn Andreas und seiner Tochter Nele hält er wenig Kontakt. 1922 fährt Edith Benn nach Jena, um sich dort in der Universitätsklinik operieren lassen. Auch praktiziert ihre Schwester in Jena als Augenärztin. Doch an den Folgen des Eingriffes stirbt Edith Benn zwei Tage später. 1929 begeht die mit Benn befreundete Schauspielerin Lili Breda Selbstmord.

1931 unternimmt Benn eine Erholungsreise nach Schwarzburg in Thüringen. Ein freundschaftlicher Briefwechsel mit Friedrich Wilhelm Oelze beginnt und reißt bis an Benns Lebensende nicht ab. Oelze, ein gebildeter Großkaufmann aus Bremen, archiviert über diese Zeit zahlreiche Gedichte, Essays und politische sowie private Kommentare. Ab den dreißiger Jahren erscheinen von Benn vorrangig Essays, so auch »Der neue Staat und die Intellektuellen« (1933). Benn sympathisiert mit der faschistischen Weltanschauung. Nachdem Heinrich Mann und Käthe Kollwitz aus der Preußischen Akademie der Künste ausgetreten sind, wird Benn dort zum kommissarischen Vorsitzenden für die Sektion für Dichtkunst berufen. Am 10. Mai 1933 übergeben die Nationalsozialisten an der Berliner Universität Bücher dem Feuer. Benn verfasst eine Loyalitätserklärung der Akademie an  die NS-Regierung. Weitere prominente Mitglieder geben daraufhin ihre Mitgliedschaft auf.

Dennoch erhält auch Benn bald darauf selbst ein Publikations- und Berufsverbot. Er gibt seine Praxis auf und lässt sich als Oberstabsarzt reaktivieren. Er bleibt aber auch in dieser Zeit nicht von Anfeindungen durch das NS-Regime unbehelligt. Von den Kriegswirren erholt er sich 1941 bei einem weiteren Besuch in Thüringen. Gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau Herta von Wedemeyer lässt er sich in das Sanatorium in Friedrichroda einweisen.

Nach Kriegsende begeht Herta Benn aus Furcht vor den anrückenden Russen Selbstmord. Benn kehrt nach Berlin zurück und ist wieder als Arzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten tätig. Er heiratet die Zahnärztin Ilse Kaul. In seinem Spätwerk erscheint unter anderem die Prosaarbeit »Doppelleben«, in der er sich mit der Zeit des Nationalsozialismus erneut auseinandersetzt. 1951 erhält er den Georg-Büchner-Preis. 1956 erkrankt Benn an Knochenkrebs. Am 7. Juli, zwei Monate nach seinem 70. Geburtstag verstirbt Gottfried Benn in Berlin.

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