Wölfis
[Gemeinde]

Lokation

Markbrunnenstraße
99885 Wölfis

50.807828, 10.776339

Weiterführende Informationen

Wölfis

Autor

Detlef Ignasiak

Das literarische Thüringen, Bucha 2018.

Im abge­le­ge­nen Wöl­fis, »wie die meis­ten Dör­fer des Thü­rin­ger Wal­des, ein armer klei­ner Ort, des­sen Bewoh­ner sich, um das liebe Leben zu erhal­ten, Som­mer und Win­ter abar­bei­ten muss­ten«, spielt Mar­ga­rete von Bülows einst viel­ge­le­sene Erzäh­lung »Die Glücks­uhr von Wöl­fis« (1880).

1558 wurde in Wöl­fis als Bau­ern­sohn der spä­tere Phi­lo­soph Wolf­gang Hei­der gebo­ren. Ab 1570 besuchte er die Latein­schule in Ohr­d­ruf und ab 1574 die Schule Klos­ter Berge in Mag­de­burg. Nach sei­nem Stu­dium der Phi­lo­so­phie in Jena war er von 1587–1626 Pro­fes­sor mit Lehr­stuhl für Ethik und Poli­tik in Jena. Ab 1617 war er dort Uni­ver­si­täts­bi­blio­the­kar und ab 1618 Biblio­theks­in­spek­tor. Er starb 1626 in Jena.

Von 1813 bis zu sei­nem Tod war dort der aus Alten­burg stam­mende Fried­rich Wil­helm Möl­ler (1759–1831) Pfar­rer, des­sen »Volks­mähr­chen aus Thü­rin­gen« (1794) zwar recht tri­vial daher­kom­men, doch ein Bin­de­glied dar­zu­stel­len schei­nen zwi­schen den Kunst­mär­chen eines Johann Karl August Musäus und den von den Roman­ti­kern auf­ge­schrie­be­nen soge­nann­ten »Volks­mär­chen«.

1861 wurde Her­mann Kirch­ner in Wöl­fis gebo­ren. Er besuchte das Gym­na­sium in Ohr­d­ruf und das her­zog­li­che Lan­des­se­mi­nar in Gotha. Spä­ter war er Leh­rer am Ohr­d­ru­fer Gym­na­sium. Von 1886 bis 1889 stu­dierte er schließ­lich an der Ber­li­ner Hoch­schule für Musik Orgel, Kom­po­si­tion und Gesang. Nach dem Stu­dium war er Ora­to­ri­en­sän­ger und Gesangs­leh­rer. Nach 1893 ging er nach Sie­ben­bür­gen, wo er meh­rere Jahre wirkte. Ab 1910 war er Musik­di­rek­tor am Gym­na­sium in Rati­bor und bis 1914 zudem Diri­gent des Kon­ser­va­to­ri­ums und des Phil­har­mo­ni­schen Cho­res in Beu­then. Ab 1927 Leh­rer für Solo­ge­sang an der Evan­ge­li­schen Kir­chen­mu­sik­schule der Uni­ver­si­tät Bres­lau, wo er 1928 starb.

Aus Wöl­fis stammt Alex­an­der Frei­herr von Wan­gen­heim, der hier 1872 als Sohn eines Rit­ter­guts­be­sit­zers gebo­ren wurde. Er stu­dierte Geschichte in Ber­lin und Mar­burg und arbei­tete von 1913–1917 als Lei­ter der Pres­se­stelle des Preu­ßi­schen Kriegs­mi­nis­te­ri­ums. Bereits 1922 Mit­glied der NSDAP schlug er weit vor 1933 eine natio­nal­so­zia­lis­ti­sche »Kar­riere« ein. Er war Her­aus­ge­ber des »Völ­ki­schen Beob­ach­ters«, hatte ab 1930 einen Sitz im Reichs­tag für die NSDAP. Er starb 1959 in der Nähe von Rosen­heim.

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