Wasungen
[Gemeinde]

Lokation

Markt 9-11
98634 Wasungen

50.663548, 10.36897

Person

Wilhelm Friedrich Hermann Reinwald

Weiterführende Informationen

Wasungen

Autor

Detlef Ignasiak

Das literarische Thüringen, Bucha 2018.

Der seit 1524 bezeugte Karneval ist der älteste im mitteldeutschen Raum. Der Chronist Christian Juncker verweist darauf, dass die »possierlichen Schwänke und Histörigen«, die »von denen Bürgern zu Wasungen erzählet werden, eine ziemliche Verwandtschaft mit denen in Meißen berühmten Schildbürgergeschichten haben«. Diese werden auf das in der Stadt seit dem 16. Jahrhundert bezeugte Komödienspiel zurückgehen. In einem dieser Schwänke wird von Kürbissen erzählt, die Fremde mitbrachten und den Wasunger bis dahin unbekannt waren, weshalb sie in ihnen Eselseier vermuteten und sie durch ihre Frauen ausbrüten lassen wollten.

1747 führten die benachbarten Herzogtümer Sachsen-Gotha-Altenburg und Sachsen-Meiningen den grotesken »Wasunger Krieg«, zu dem es kam, nachdem der Meininger Herzog Anton Ulrich einen Wechsel im Rang zweier seiner Hofdamen verfügt hatte. Die Herabgesetzte ließ sich das nicht gefallen und verunglimpfte die Erhöhte. Als Erstere jede Entschuldigung ablehnte, nahm sie der Herzog in Gewahrsam. Darauf klagte sie beim Reichskammergericht und bekam Recht. Da sich der Meininger Herzog weigerte, das Urteil anzunehmen, beauftragte das Gericht den Gothaer Herzog mit der Durchsetzung einer Reichsexekution. Am 13.2.1747 ließ er 300 Soldaten ins Meininger Herzogtum einrücken und W. besetzen. Ob der gothaischen Übermacht entließ der Herzog die Dame und respektierte schließlich das Urteil. Darüber schrieb Gustav Freytag im vierten Band seiner »Bilder aus der deutschen Vergangenheit« und Martin Stade in seinem 1981 erschienenen Roman »Der närrische Krieg«.

Johann Steuerlein war 1569-1589 Stadtschreiber in Wasungen, wo er eine Schreibschule gründete, ein Stadtbuch anlegte und eine Reimchronik verfasste. Melchior Vulpius, der 1560 in Wasungen geboren wurde, war Kirchenmusiker und bedeutender Gesangbuch-Herausgeber. Darin fasste Vulpius erstmals in Mittel-Deutschland das seit der Reformation gewachsene Liedgut zusammen und regte zu neuen Dichtungen an. Vulpius besuchte  Johann Steuerleins Schule und wurde von diesem gefördert. Vermutlich geht auf die Familie Vulpius, der Goethes Lebensgefährtin Christiane Vulpius  entstammt, in direkter Linie auf Wasunger Vorfahren zurück.

In Wasungen geboren wurde Wilhelm Friedrich Hermann Reinwald (1737-1815), Hofrat, Bibliothekar und Mitarbeiter mehrerer Zeitschriften, der Schillers älteste Schwester Christophine heiratete.

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