Stützerbach
[Gemeinde]

Lokation

Papiermühlenweg
98714 Stützerbach

50.636613, 10.862151

Person

Johann Wolfgang von Goethe

Weiterführende Informationen

Stützerbach

Stützerbach

Autor

Christina Onnasch

Ignasiak, Detlef (Hg.): Dichter-Häuser in Thüringen, quartus Verlag, Jena 1996. Oberhauser, Fred/ Kahrs, Axel: Literarischer Führer Deutschland, Insel Verlag, Frankfurt am Main/ Leipzig 2008. Reimann, Brigitte/ Wolf, Christa: Sei gegrüßt und lebe. Eine Freundschaft in Briefen 1964-1973, Aufbau Verlag, 3. Auflage, Berlin/ Weimar 1993.

Stützerbach ist ein stilles Dorf, das sich elf Kilometer hinter Ilmenau zwischen zwei Berghängen entlangzieht. Es ist bekannt für seine Glashütten, die Herstellung des Thermometers, der Thermoskanne, der Glühlampe, für die Aufenthalte Goethes, eine Papiermühle, als Zentrum der Kneipptherapie und Ferienort.

Die Geschichte des Dorfes beginnt um das Jahr 1500. Damals siedelten sich Holzfäller, Flößer und Schneidemüller auf diesem Flecken Land im Thüringer Wald an. Im Jahr 1660 wurde der Ort, der bis dahin zur Grafschaft Henneberg gehörte, entlang des Flüsschens Lengwitz geteilt. Von da an stand der östliche Teil unter der Herrschaft des Herzogtums Sachsen-Weimar, der westliche war nun kursächsisches Gebiet und ab 1850 preußisch. Das erklärt, warum es in Stützerbach zwei Kirchen, zwei Pfarrhäuser, zwei Schulen, zwei Friedhöfe und zwei Feuerwehren gab. Die Teilung wurde erst 1946 aufgehoben. Einheimische, so wird erzählt, sollen bis heute von der »preiß’schen und weimar’schen Seit« reden.

Im weimarischen Teil, am Waldrand, liegt in der Sebastian-Kneipp-Straße 18 das Goethemuseum. Es gehörte einst dem Glashüttenbesitzer Johann Daniel Gundelach. Seit Johann Wolfgang Goethe (1749-1832) im Jahr 1776 als Staatsminister in die Weimarer Regierung berufen und ihm vier Jahre später die »Direction über alle Bergwercks-Angelegenheiten in Unseren sämtlichen Fürstlichen Landen« übertragen wurde, nahm er allein oder in Begleitung des Herzogs Carl August meist in diesem Haus Quartier. Mehr als zehn Mal kam er nach Stützerbach. Am 8. August 1776 schrieb er an Charlotte von Stein: Stüzzerbach Nachts bey Tisch. Ich hab heute den ganzen Tag für dich gezeichnet, nicht immer glücklich, aber immer warm. Heut aber sass ich wieder hier auf dem Schloßberg und hatte einen guten Augenblick. Wie erwünscht lag eben der Sonnenblick den Moment da ich aufstieg im Thal wie ich ihn aufs Papier fesseln mögt. – Ich muss nur für dich zeichnen, du thust dazu was ich nicht machen kann. Im Museum sind Goethes Wohn- und Arbeitszimmer, Studien, Briefe und Zeichnungen zu besichtigen.

In Stützerbach kam auch der Glasbläsersohn Bodo Kühn (1912-2012) zur Welt. Zu seinem Werk gehören die beiden Romane über die frühere Glashüttensiedlung »Licht über den Bergen. Roman um das erste deutsche Thermometer« (1955) und »Die gläserne Madonna. Roman über Schicksale italienischer Glasbläser in Thüringen« (1974).

Es war im Jahr 1876, als die ersten Gäste zur Kur nach Stützerbach reisten. 56 Jahre später gründete sich ein Kneippverein. Es gab nun Armbäder, Wassertretbecken und die ersten Kneippkuren. Nach 1945 wurde der Ort zu einem Zentrum der Kneipptherapie ausgebaut. Dorthin reiste Jahre später auch Christa Wolf (1929-2011), ihre Eindrücke schildert sie in einem Brief vom 13. Februar 1970 an Brigitte Reimann: Im übrigen danke Gott, das ich Dich bloß nach Mahlow und nicht gleich nach Stützerbach geschafft habe: Dies hier ist eine Steigerungsform. Schrotbrötchen u. Schrotsuppe am Morgen, Knie-, Nacken-, Gesichts- und Armgüsse tagsüber und abends die Theorie dazu und Buntfilmuntermalung. Man ist wie auf einen anderen Stern gefallen. Was uns vorgestern noch wichtig war und worüber wir sprachen, interessiert hier keinen Menschen. Ganz gelehrsam.

in Stützerbach

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