Trauer um Verena Zeltner

Person

Verena Zeltner

Orte

Lausnitz

Neunhofen

Thema

Nachrufe & Gedenken

Autor

Jens Kirsten

Thüringer Literaturrat e.V.

Ein Nach­ruf von Jens Kirsten

 

Mit dem Tod der Kin­der- und Jugend­buch­schrift­stel­le­rin Verena Zelt­ner ver­liert die Thü­rin­ger Lite­ra­tur­szene eine wich­tige Stimme. Die 1951 in Laus­nitz gebo­rene Verena Zelt­ner lernte Indus­trie­kauf­frau, stu­dierte Öko­no­mie und war als Wirt­schafts­in­ge­nieu­rin bis 2005 im kauf­män­ni­schen Bereich tätig. Nach­dem sie bereits seit vie­len Jah­ren neben ihrer beruf­li­chen Tätig­keit lite­ra­risch geschrie­ben hatte, ver­öf­fent­lichte sie ab 1999 in dem von ihr in Neun­ho­fen b. Neustadt/Orla gegrün­de­ten Thami Ver­lag eigene Bücher.

2006 wagte sie den Sprung in die Selb­stän­dig­keit als frei­be­ruf­li­che Schrift­stel­le­rin. Waren ihre ers­ten Bücher von mär­chen­haf­ten Inhal­ten geprägt, so wen­dete sie sich spä­ter mehr und mehr Umwelt­pro­ble­men zu, etwa in »Prin­zes­sin Fle­der­maus« (2009) oder in »Ein Him­mel vol­ler Scho­ko­lade« (2011).

Mehr und mehr inter­es­sierte Verena Zelt­ner sich für die Ver­fasst­heit unse­rer Gesell­schaft, auch im Spie­gel ihrer Geschichte. In ihrem zwi­schen 1961 und heute erzähl­ten Roman »Korn­blu­men­kin­der«, deren Hel­den einst und heute Jugend­li­che sind, setzte sie sich mit dem Thema der Zwangs­um­sied­lung in der DDR und ins­be­son­dere der »Aktion Korn­blume« nach der Errich­tung der inner­deut­schen Grenze aus­ein­an­der. In dem Jugend­ro­man »Ein India­ner weint doch nicht« ver­han­delte sie das Thema des funk­tio­na­len Analpha­be­tis­mus auf ein­fühl­same Weise. Ganz in die­sem Zei­chen stand auch ihre Arbeit an dem 2017 erschie­nen Roman »ICE­zeit. In den Klauen des wei­ßen Dra­chen Crys­tal«, der aus der Per­spek­tive des 14jährigen Hel­den Ben erzählt wird und in dem Verena Zelt­ner sich mit elter­li­chem Sucht­ver­hal­ten und den dar­aus für die Kin­der resul­tie­ren­den Kon­flik­ten beschäftigte.

In einer Rezen­sion zu die­sem Buch schrieb Diet­mar Ebert über ihre Arbeit: »Immer, wenn Verena Zelt­ner ein ›hei­ßes Eisen‹ anfasst, infor­miert sie sich gründ­lich. Lange recher­chiert sie, macht sich sach­kun­dig, fragt bei Betrof­fe­nen und Exper­ten nach. Hinzu kommt eine schrift­stel­le­ri­sche Tugend. Sie mag ihre Figu­ren und zeich­net sie genau und lie­be­voll, auch die­je­ni­gen, die durch ihr Ver­hal­ten andere in Not und Bedräng­nis bringen.«

In ihrem 2020 erschie­ne­nen Roman »299 Tage« erwacht die 14jährige Sanna aus einer Ope­ra­ti­ons­nar­kose und muss fest­stel­len, dass sie keine Stimme mehr hat. Verena Zelt­ner, die selbst einst eine Stimm­band­ope­ra­tion über sich erge­hen las­sen musste, schöpfte hier aus eige­nen Erfah­run­gen und ver­wob diese zu einem span­nungs­ge­la­de­nen, inhalt­lich dicht erzähl­ten Jugendroman.

Für die Arbeit an ihren Büchern wurde sie mehr­fach mit Sti­pen­dien des Frei­staats Thü­rin­gen und der Kul­tur­stif­tung des Frei­staats aus­ge­zeich­net. Wie­der­holt war sie Sti­pen­dia­tin im Künst­ler­haus Schloss Wie­pers­dorf. Mit ihren Kin­der- und Jugend­bü­chern schrieb sie sich ins Herz vie­ler Lese­rin­nen und Leser.

Als Mit­glied im VS Thü­rin­gen, im Lese-Zei­chen e. V. und im Fried­rich-Böde­cker-Krei­ses für Thü­rin­gen e. V. setzte sie sich enga­giert für die Ver­mitt­lung von Lite­ra­tur an Kin­der und Jugend­li­che ein und weckte mit ihren Büchern Lust auf das Lesen. Am Sonn­tag, dem 3. April 2022, starb Verena Zelt­ner nach kur­zer schwe­rer Krankheit.

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