»Dingelstädt, ein kleines Landstädtchen« – Goethe und das Eichsfeld
2 : Dingelstädt im Vorüberfahren

Person

Johann Wolfgang von Goethe

Ort

Dingelstädt

Thema

Literarisches Thüringen um 1800

Autor

Ulrich Kaufmann

Dichters Worte - Dichters Orte: Von Goethe bis Gerlach. 30 Versuche, Glaux-Verlag, Jena 2007.

Goe­thes zweite Berüh­rung mit Din­gel­städt hat eher etwas Mar­gi­na­les. Sie blieb für sein Schaf­fen ohne Fol­gen. Im Tage­buch vom 6. Juni 1801 ver­merkt er seine Ein­drü­cke. Dies­mal unter­nahm er eine pri­vate Reise, bei der ihn sein Sohn August sowie sein Die­ner Johann Jakob Lud­wig Geist beglei­te­ten. Obgleich sich die Stra­ßen­ver­hält­nisse seit 1784 kaum gebes­sert haben dürf­ten, kam Goe­the dies­mal ohne ein Mal­heur durch Dingelstädt.

Der Geheime Lega­ti­ons­rat benutzte nun­mehr seine eigene Kut­sche, wel­che er zwei Jahre zuvor erwor­ben hatte. Mög­li­cher­weise hat die Tat­sa­che, dass der Dich­ter und Minis­ter gerade von einer schwe­ren Gesichts­rose gene­sen war und er sich des­halb auf dem Weg zu einer Kur in das Bad Pyr­mont befand, dazu bei­getra­gen, vor­nehm­lich nega­tive Ein­drü­cke fest­zu­hal­ten. Goe­thes flüch­tige Beob­ach­tun­gen zu den Din­gel­städ­ter Frauen lesen sich gera­dezu als Gegen­text zu jenem weib­li­chen Ide­al­bilde, wel­ches er, – Char­lotte von Stein vor sei­nem geis­ti­gen Auge – sieb­zehn Jahre vor­her am glei­chen Ort lyrisch ins Bild setzte. Der topo­gra­fi­schen Genau­ig­keit wegen zitie­ren wir vollständig:

Früh 5 ½ Uhr von Mühl­hau­sen ab, durch Ammern, wo man über die Unstrut kommt, in einem schö­nen Wie­sen­grunde nach Len­ge­feld; man steigt nun immer höher dem Eichsfelde näher, kommt auf Chaus­see, die aber sich in schlech­ten Umstän­den befand. Sobald wir ins Eichsfel­di­sche kamen, stell­ten sich auch gleich Bet­tel­kin­der ein. Nach Din­gel­städt, ein klei­nes Land­städt­chen. Das weib­li­che Geschlecht von häß­li­chem Gesicht, und keine Farbe im Gesicht und alle blonde Haare, die mehr ins rothe über­gin­gen. Die Häu­ser daselbst wer­den alle von har­tem Holz gezim­mert. Der Boden wird weni­ger fruchtbar…

 

 »Dingelstädt, ein kleines Landstädtchen« – Goethe und das Eichsfeld:

  1. Reise mit Carl August nach Braunschweig
  2. Dingelstädt im Vorüberfahren
  3. Dingelstädt und Weimar
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