»Guten Tag, Herr Holz« – Wanderung
auf den Spuren Walter Werners um Untermaßfeld

5 : Waldrand am vorderen Still – Blick auf Sommerhaus

Person

Walter Werner

Ort

Untermaßfeld

Thema

Von 1945 bis zum Ende der DDR

Autor

Andreas Seifert

Thüringer Literaturrat e.V.

In über­schau­ba­rer Ent­fer­nung von sei­nem Som­mer­haus, des­sen Fens­ter­lä­den nach­ge­ahmte Son­nen­blu­men van Goghs gold­gelb schmück­ten, war Bert­ram noch viel zu sehr mit sich selbst beschäf­tigt. Die Angst um seine Gene­sung machte ihm fort­wäh­rend zu schaf­fen. (…) Nur eine Vier­tel­stunde Fuß­weg lagen zwi­schen dem baum­be­stan­de­nen, efeu­um­rank­ten Fried­hof und Bert­rams leicht gebau­tem Som­mer­haus, sei­nem Domi­zil und Exil, das der frei­sin­ni­gen Schrei­ber­seele Unter­schlupf gewährte. (…) Daß alles ein­mal ver­ge­hen würde, wußte er schon in der Jugend. Aber die Schnelle des Ver­ge­hens erfuhr man erst an der Schwelle des Alters.

Im letz­ten Lebens­jahr­zehnt arbei­tete Wal­ter Wer­ner an einer Fort­set­zung sei­nes auto­bio­gra­fi­schen Erzähl­ban­des »Der Traum zu wan­dern«. Den Ich-Erzäh­ler ersetzte der Autor dabei durch den geal­ter­ten Schrift­stel­ler Bodo Bert­ram, der über seine kör­per­li­che Gebrech­lich­keit, sein Ver­ständ­nis von Lite­ra­tur und seine Rolle als Lite­rat sowie sein Ver­hält­nis zur Nach-Wende-Gegen­wart reflek­tiert.

Seit den 1980-er Jah­ren kämpfte Wal­ter Wer­ner mit gesund­heit­li­chen Pro­ble­men. Schon im »Traum zu wan­dern« hatte er bekannt: Meine Haut wird dün­ner. Ich magere dahin, werde durch­sich­tig. Das Leben bekennt sich end­lich zu dem, was es wirk­lich ist: Angst und Hoff­nung.

Im Jahr 2000 frag’ ich meinen Apfelbaum

Alle Blät­ter noch grün,
Alter, genug oben im Licht?
Stiehlst aus mei­nem Gesicht
Dein Korn­äp­fel­blühn.

Alle Blü­ten noch weiß
fürs Den­ken und Freun?
Der Wind wird sie streun,
schüt­teln vom Reis.

Alle Äpfel noch rot?
Mit Schale und Kern
Noch immer modern
wie den Essern das Brot.

Alle Äste noch gesund,
Alter? Daß die Lei­tern gut stehn
und die Pflü­cker drauf gehen,
halt’ ich dich am Grund.

 aus: Die Stroh­halm­f­löte. Skiz­zen und Etü­den.
Auf­zeich­nun­gen. Halle/Saale 1965

Wal­ter Wer­ner 1994 in einer Zei­tungs­um­frage zum Jahr 2000: Mein Geburts­jahr ver­sagt ihm die Kor­re­spon­denz. Schlicht gesagt: Zukunft hätte ich da ohne­hin keine mehr, also brauchte ich auch keine Angst vor ihr zu haben.

 »Guten Tag, Herr Holz« – Wanderung
auf den Spuren Walter Werners um Untermaßfeld:

  1. Wohnhaus von Walter Werner in Untermaßfeld
  2. Wegbiegung oberhalb des Dorfes Untermaßfeld
  3. Sommerhaus von Walter Werner
  4. Amalienruher Straße, Abzweig zum Still
  5. Waldrand am vorderen Still – Blick auf Sommerhaus
  6. Burgeiche oberhalb des Friedhofs
  7. Friedhof Untermaßfeld - Grab von Walter Werner
Diesen Artikel teilen:

Literaturland Thüringen‹ ist eine gemeinsame Initiative von
Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen · Thüringer Literaturrat e. V. · MDR-Figaro · MDR Thüringen – Das Radio

Gestaltung und Umsetzung XP.DT © 2011-14 [http://www.xp-dt.de]
© Thüringer Literaturrat e.V. [http://www.thueringer-literaturrat.de]

URL dieser Seite: [http://www.literaturland-thueringen.de/artikel/auf-spuren-von-walter-werner-im-grabfeld/waldrand-am-vorderen-still-blick-auf-sommerhaus/]