»Guten Tag, Herr Holz« – Wanderung
auf den Spuren Walter Werners um Untermaßfeld

3 : Sommerhaus von Walter Werner

Person

Walter Werner

Ort

Untermaßfeld

Thema

Von 1945 bis zum Ende der DDR

Autor

Andreas Seifert

Thüringer Literaturrat e.V.

Das auf sei­nem Lei­ten­grund­stück ste­hende Som­mer­haus hatte Wal­ter Wer­ner 1965 errich­tet. Äuße­res wie Innen­ein­rich­tung blie­ben nach sei­nem Tod nahezu unver­än­dert. Der Dich­ter gewährt uns einen Ein- und Umblick:

End­lich besaß ich ein Arbeits­zim­mer, wie ich es mir vor­ge­stellt und gewünscht hatte. Ein klei­nes, aus einem Hügel her­vor­sprin­gen­des Quar­tier. Ver­steckt, selbst­er­dacht und selbst­ge­zim­mert. Beschei­den, doch nicht unbe­quem. Die Aus­stat­tung mei­ner Unter­kunft war zweck­dien­lich: Hocker aus ampu­tier­ten Küchen­stüh­len, klein und leh­nen­los, bepackt mit Büchern (…) Und auch zwei Tische von unter­schied­li­chem Maß im Raum. Glatte, decken­lose Plat­ten, wo man Papiere aus­brei­ten und Gedan­ken hin­ter­le­gen konnte. (…) In Ver­län­ge­rung des klei­nen Eck­ti­sches, ent­lang an einem abge­schab­ten Kokos­läu­fer, dann eine in Decken gehüllte Liege mit durch­ge­senk­ter Mitte, die sich nur sel­ten noch an mei­nen Träu­men betei­ligte. Ein lie­bes, unver­gleich­li­ches und unbe­schreib­li­ches Zim­mer. Ein kom­bi­nier­tes Wohn‑, Arbeits- und Schlaf­zim­mer, das in sei­nem Cha­rak­ter ein wenig von dem Raum­ge­fühl und der Sprach­lo­sig­keit der Rhön­land­schaft vor mei­nem west­li­chen Fens­ter zu bewah­ren suchte: klein, eng, wink­lig, ver­schlos­sen. (…)
Mein frisch gescho­re­nes Milch­schaf drehte sich auf dem Grund­stück vor dem Haus an einer lan­gen Wei­de­kette. (…) Es begrüßte blö­kend meine Gäste, die sel­ten waren und noch sel­te­ner wur­den, seit­dem sie wuß­ten, daß ich auf Schnaps all­er­gisch reagierte und zu jenen Ein­sa­men zählte, die von allen Stüh­len und Ses­seln die­ser Welt den Sitz am Erd­bo­den am liebs­ten haben. (…)
Der wie­sige Hang war, wie die Tal- und Hoch­wie­sen der Rhön, ein an Pflan­zen­ar­ten armes Fleck­chen Erde, aber den­noch von bunt­far­bi­ger Vege­ta­tion. Ich ging ihn mit dem Respekt vor dem har­ten Tag­werk der Schnit­ter noch mit mei­ner Sense an. Das Schleif­ge­räusch mei­nes Wetz­steins ertönte, das Sen­sen­blatt sang in den Nebel­frü­hen.

 

 »Guten Tag, Herr Holz« – Wanderung
auf den Spuren Walter Werners um Untermaßfeld:

  1. Wohnhaus von Walter Werner in Untermaßfeld
  2. Wegbiegung oberhalb des Dorfes Untermaßfeld
  3. Sommerhaus von Walter Werner
  4. Amalienruher Straße, Abzweig zum Still
  5. Waldrand am vorderen Still – Blick auf Sommerhaus
  6. Burgeiche oberhalb des Friedhofs
  7. Friedhof Untermaßfeld - Grab von Walter Werner
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