Jean Paul in Thüringen
5 : Jean Paul in Oßmannstedt

Personen

Jean Paul Richter

Christoph Martin Wieland

Johann Gottfried Herder

Charlotte von Kalb

Orte

Oßmannstedt

Weimar

Thema

Literarisches Thüringen um 1800

Autor

Julia Knapp; Bernhard Echte

Jean Pauls Orte - Ein Projekt des Vereins

Jean Paul 2013 e.V.

Er sagte, er bekomme neues Leben durch mich.
Jean Paul an Chris­tian Otto, 2.9.1798,
über seine Begeg­nung mit Wie­land in Oßmann­stedt

Wie­land – schon für den jun­gen Jean Paul war die­ser Name ein Fix­stern. Gerade 23jährig sandte er Wie­land erst­mals einen Text, in der Hoff­nung, damit im »Deut­schen Mer­kur« zu erschei­nen. Dar­aus wurde zwar nichts, doch konnte dies Jean Pauls Ver­eh­rung für Wie­land nichts anha­ben. Umso ent­täusch­ter war er aber, als er im Som­mer 1796 zum ers­ten Mal nach Wei­mar kam – und Wie­land dort nicht vor­fand; die­ser war gerade nach Zürich gereist. Durch Char­lotte von Kalb konnte er immer­hin erfah­ren, dass Wie­land sei­nen Roman »Hespe­rus« mit Bei­fall gele­sen habe. So lern­ten sich Jean Paul und Wie­land erst am 25. August 1798 per­sön­lich ken­nen: in Oßmann­stedt.

Die gro­ßen Erwar­tun­gen, die beide an ihre Begeg­nung knüpf­ten, wur­den erstaun­li­cher­weise nicht ent­täuscht – im Gegen­teil. Der Aus­tausch war so leb­haft und schwe­re­los, dass Wie­land dem 30 Jahre jün­ge­ren Kol­le­gen sofort vor­schlug, zu ihm nach Oßmann­stedt zu zie­hen. »Allein, das geht nicht«, kam Jean Paul nach reif­li­cher Über­le­gung zum Schluss, »weil zwei Dich­ter nicht ewig zusam­men­pas­sen.« Und bei aller Liebe fürs Idyll kannte Jean Paul auch sei­nen jung­ge­sel­li­gen Erfah­rungs­hun­ger, dem das Land­le­ben kaum genü­gen würde. Wie­land mochte in frü­he­ren Tagen ein gro­ßer Ero­ti­ker gewe­sen sein, doch schöne junge Frauen gab es in Oßmann­stedt keine um ihn (son­dern ein vol­les Dut­zend Nach­kom­men).

So fan­den die nächs­ten Begeg­nun­gen in Wei­mar statt. Am 28. Novem­ber 1798 besuch­ten Her­der, Wie­land und Jean Paul gemein­sam eine Auf­füh­rung der »Zau­ber­flöte«, was man sich als kleine ›Stern­stunde der Mensch­heit‹ aus­ma­len darf. Wie­land kam mit Jean Paul auch zu Char­lotte von Kalb, die dane­ben Goe­the und Schil­ler ein­ge­la­den hatte. Unter dem Schutz sei­nes Men­tors wurde Jean Paul ganz keck und wagte dem Geheim­rat Wahr­hei­ten übers Wei­ma­rer Thea­ter zu sagen, wor­über die­ser »emp­find­lich ¼ Stunde den Tel­ler drehte«. Wie­land hatte offen­bar sein Ver­gnü­gen dabei und beglei­tete Jean Paul, wann immer er konnte, auch zu ande­ren Gast­ge­bern der Wei­ma­rer Gesell­schaft.

Die letzte Begeg­nung (Juli 1802) ver­lief jedoch melan­cho­lisch. Wie­lands Frau war gestor­ben; Jean Paul dage­gen stand im Früh­ling sei­ner jun­gen Ehe. Als er Wie­land in Oßmann­stedt besuchte, fand er ihn »als trü­ben Wit­wer« sicht­lich geal­tert, ein Anblick, den er kaum ver­win­den konnte. Im Jahr dar­auf ver­kaufte Wie­land das Gut und kehrte nach Wei­mar zurück. Jean Paul und er haben sich nicht mehr gese­hen.

 Jean Paul in Thüringen:

  1. Jean Paul in Weimar
  2. Jean Paul in Gotha
  3. Jean Paul in Ilmenau
  4. Jean Paul in Meiningen
  5. Jean Paul in Oßmannstedt
  6. Jean Paul in Hildburghausen
  7. Jean Paul in Löbichau
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