Veranstaltung zur Bücherverbrennung 1933 in Niedergrunstedt

Wann:
20. Juni 2018 um 18:00
2018-06-20T18:00:00+02:00
2018-06-20T18:15:00+02:00
Wo:
St. Mauritiuskirche in Niedergrunstedt
Niedergrunstedt
99428 Weimar
Deutschland
Preis:
Kostenlos
Kontakt:
Literarische Gesellschaft Thüringen e.V.

In Erin­ne­rung an den 21. Juni 1933, als auf der Höhe bei Nie­der­grun­stedt Bücher ver­brannt wur­den.

Eine Ver­an­stal­tung u.a. mit Wolf­gang Haak und Chris­toph Schmitz-Schole­mann.

Seit eini­ger Zeit wird auch in Wei­mar am 10. Mai daran erin­nert, dass man an jenem Datum im Jahre 1933 in Deutsch­land miss­lie­bi­gen Büchern Schei­ter­hau­fen errich­tete. Die Autoren der ver­brann­ten Bücher hat­ten gemein­sam, dass sie im natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Deutsch­land als min­der­wer­tig und gefähr­lich gal­ten, weil sie huma­nis­ti­sche und demo­kra­ti­sche Über­zeu­gun­gen ver­tra­ten. Weil sie Kom­mu­nis­ten waren oder jüdi­schen Glau­bens. Weni­ger bekannt ist, dass es in Thü­rin­gen in die­sem Rah­men mit Jena und Wei­mar zwei Bücher­ver­bren­nun­gen gab und dass diese in Nie­der­grun­stedt statt­fand.

Der Ev.-Luth. Kir­chen­ge­mein­de­ver­band Buch­fart-Lege­feld, die Lite­ra­ri­sche Gesell­schaft Thü­rin­gen e.V. und Pfar­rer Joa­chim Neu­bert laden ein, sich nach 85 Jah­ren gemein­sam mit Kai Sauer, Wolf­gang Haak, Chris­toph Schmitz Schole­mann, Harry Stein, Johan­nes Bock, der Orga­nis­tin Grit Roos und der Gei­ge­rin Paula Roos an die­ses Datum zu erin­nern und Aus­züge aus Büchern und Musik­wer­ken zu hören, die damals dem natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Gedan­ken­gut zum Opfer fie­len. Es waren Werke u.a. von Vicky Baum, Lion Feucht­wan­ger, Alfred Kerr, Ernst Lissauer, Emil Lud­wig, Erich Maria Remar­que, Roda-Roda, Artur Schnitz­ler, Kurt Tuchol­sky, Jakob Was­ser­mann, Franz Wer­fen und Ste­phan Zweig.

 

Hin­ter­grund

Seit 1924 beein­flusste in Thü­rin­gen die Ver­ei­nigte Völ­ki­sche Liste die Lan­des­po­li­tik, ab 1930 war hier die NSDAP erst­mals in Deutsch­land an einer Lan­des­re­gie­rung betei­ligt. Der dama­lige Thü­rin­ger Innen- und Volks­bil­dungs­mi­nis­ter Frick (NSDAP) ließ unmit­tel­bar nach Amts­an­tritt den öffent­li­chen Raum von Kunst­wer­ken und Büchern säu­bern, die ihm als „undeutsch“ erschie­nen. Öffent­li­che Biblio­the­ken muss­ten sol­che Bücher aus ihren Bestän­den neh­men.

Zum 21. Juni 1933 lud die Orts­gruppe Wei­mar des Deutsch­na­tio­na­len Hand­lungs­ge­hil­fen-Ver­eins (DHV) zu sei­ner Son­nen­wend­feier nach Nie­der­grun­stedt ein. Der DHV war sei­ner­zeit eine der grö­ße­ren Gewerk­schaf­ten und vom Ver­bot der Gewerk­schaf­ten aus­ge­nom­men wor­den, da er sich schon lange als völ­kisch-natio­na­lis­ti­sche Orga­ni­sa­tion an die Seite der NSDAP gestellt hatte.

Die Wei­ma­ri­sche Zei­tung ver­merkte am nächs­ten Tag: „Nach dem gemein­sa­men Gesang des Lie­des Wir tre­ten an zum Beten […] über­gab der Orts­grup­pen­vor­ste­her den Flam­men einige Schund­werke.“

Die Ver­an­stal­tung wurde nicht nur von Bür­gern der Stadt Wei­mar besucht. Auch ein „grö­ße­rer Teil der Ein­woh­ner­schaft Nie­der­grun­stedts“ war zuge­gen, als die Schrif­ten von deut­schen und öster­rei­chi­schen Autoren jüdi­scher Her­kunft wie „Vicky Baum, Lion Feucht­wan­ger, Alfred Kerr, Ernst Lissauer, Emil Lud­wig, Erich Maria Remar­que, Roda-Roda, Artur Schnitz­ler, Kurt Tuchol­sky, Jakob Was­ser­mann, Franz Wer­fen und Ste­phan Zweig“ den Flam­men über­ge­ben wur­den.

Außer kur­zen Arti­keln in der Lokal­presse fand das Ereig­nis aber kei­nen media­len Wider­hall. Lag es daran, dass trotz der ambi­va­len­ten Rolle Wei­mars eine Bücher­ver­bren­nung als „kul­tu­rel­ler Rei­ni­gungs­akt“ nicht gut ankam? Oder war die Ursa­che, dass andere fast zeit­gleich statt­fin­dende Ver­an­stal­tun­gen mehr Beach­tung fan­den? In Nie­der­grun­stedt weiß heute kaum noch jemand von die­sem Ereig­nis, und auch in Wei­mar sind es wohl nur wenige.

Der Ev.-Luth. Kir­chen­ge­mein­de­ver­band Buch­fart-Lege­feld und die Lite­ra­ri­sche Gesell­schaft Thü­rin­gen e.V. laden ein, sich nach 85 Jah­ren an die­ses Datum zu erin­nern und Aus­züge aus Büchern zu hören, die damals dem natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Gedan­ken­gut zum Opfer fie­len.

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