Lesung mit Wolfgang Benz in Arnstadt

Wann:
22. April 2020 um 19:00
2020-04-22T19:00:00+02:00
2020-04-22T19:15:00+02:00
Wo:
Musikschule, Stucksaal im Haus zum Palmbaum
Unterm Markt 1
Arnstadt
Preis:
Kostenlos
Kontakt:
Landeszentrale für politische Bildung in Thüringen

Lesung mit Wolf­gang Benz: The­re­si­en­stadt. Eine Geschichte von Täu­schung und Ver­nich­tung

 

Nir­gendwo kam der Zynis­mus der Natio­nal­so­zia­lis­ten deut­li­cher zum Aus­druck als in The­re­si­en­stadt. Die Welt­öf­fent­lich­keit und die zur Depor­ta­tion bestimm­ten Juden wur­den plan­mä­ßig über den Zweck der Ein­rich­tung getäuscht. Mit ihren Lügen über The­re­si­en­stadt sind die Natio­nal­so­zia­lis­ten nicht erfolg­los geblie­ben: Bis heute hält sich das Bild des pri­vi­le­gier­ten „Alters­ghetto“. Immer wie­der fin­det man in der Lite­ra­tur Hin­weise dar­auf, dass hier die Lebens­be­din­gun­gen bes­ser waren als in ande­ren Lagern, dass die Kin­der und Jugend­li­chen in den Genuss von Schul­bil­dung gekom­men seien, nir­gendwo fehlt der Ver­weis auf das kul­tu­relle Leben im Ghetto. Dies alles gab es, doch wird dabei ein ent­schei­den­der Teil der Wirk­lich­keit aus­ge­blen­det. Denn The­re­si­en­stadt war in das Pro­gramm der Ermor­dung der euro­päi­schen Juden ein­ge­bun­den und von Hun­ger, Elend und einer hohen Sterb­lich­keit geprägt. Das Ghetto war hoff­nungs­los über­füllt und immer wie­der gin­gen Trans­porte in die Ver­nich­tungs­la­ger im Osten. Ins­ge­samt wur­den 141 000 Juden, vor allem aus der Tsche­cho­slo­wa­kei, Deutsch­land und Öster­reich, nach The­re­si­en­stadt depor­tiert, nur 23 000 von ihnen über­leb­ten den Holo­caust. Wolf­gang Benz zeich­net ein Bild der Rea­li­tät zwi­schen Hoff­nung und Ver­nich­tung, zwi­schen Illu­sion und Unter­gang. Sein Buch ist der wich­tigste Bei­trag zu einer Gesamt­dar­stel­lung der Geschichte des Ghet­tos The­re­si­en­stadt seit dem Stan­dard­werk des tsche­chi­schen Zeit­zeu­gen Hans Gün­ther Adler aus den 1950er Jah­ren. Die Frage nach dem Erbe von The­re­si­en­stadt und des­sen heu­ti­ger Bedeu­tung für die Erin­ne­rungs­kul­tur schließt den Band ab. Wolf­gang Benz, war von 1990 bis 2011 Lei­ter des renom­mier­ten Zen­trums für Anti­se­mi­tis­mus­for­schung (TU Ber­lin). Zahl­rei­che Ver­öf­fent­li­chun­gen zu den The­men Natio­nal­so­zia­lis­mus, Anti­se­mi­tis­mus und ver­glei­chen­der Vor­ur­teils­for­schung, u. a. „Was ist Anti­se­mi­tis­mus?“ (2005); „Nach dem Unter­gang. Die ers­ten Zeug­nisse der Shoah in Polen 1944–1947“ (2014); „Anti­se­mi­tis­mus in der DDR. Mani­fes­ta­tio­nen und Fol­gen des Feind­bil­des Israel“ (2018).

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